Unsere Kläranlage
Vier Reinigungsstufen für sauberes Wasser
Rund um die Uhr strömen gewaltige Mengen Mischwasser – also Schmutz- und gelegentlich Regenwasser – in unsere Kläranlage. Rund 30 Millionen Liter sind es täglich – das entspricht dem Wasserverbrauch aller Menschen in Herford und auch in Teilen der angeschlossenen Nachbarkommunen an einem Tag. Insgesamt läuft bei uns das Schmutzwasser von rund 70.000 Menschen sowie Industrie- und Gewerbebetrieben zusammen.
Jährlich sind das bis zu zehn Millionen Kubikmeter – und damit etwa so viel Wasser, wie man für 62,5 Millionen Schaumbäder in einer durchschnittlich großen Badewanne benötigen würde.
Unsere Aufgabe
Unsere Aufgabe ist es, aus dem Abwasser wieder klares, sauberes Wasser zu machen, das bedenkenlos in die Natur zurückgeleitet werden kann. Dafür setzen wir auf ein leistungsfähiges Anlagenkonzept mit vier Reinigungsstufen.
Die Besonderheit: Während viele Kläranlagen für einen Reinigungszyklus etwa 24 Stunden benötigen, schaffen wir das in Herford dank modernster Verfahren in nur vier Stunden.
Erste Reinigungsstufe
Art der Reinigung: mechanisch
Das passiert hier: Im ersten Schritt werden grobe Stoffe entfernt, die über Haushalte, Betriebe oder Straßenrinnen ins Abwasser gelangen. Das können etwa Toilettenpapier, Essensreste, Plastik, Sand oder Fette sein. Rechenanlagen halten hier zunächst alle Verunreinigungen mit einer Größe von über 30 Millimetern zurück. Zusätzlich setzt sich im Wasser enthaltener Sand am Boden ab, während leichtere Stoffe wie Fette an der Oberfläche abgeschöpft werden können. Abschließend entfernt eine Feinrechenanlage Faserstoffe, die kleiner als drei Millimeter sind.
Das Ergebnis
Das Wasser ist frei von groben Fremdstoffen, aber noch immer belastet.
Zweite Reinigungsstufe – (BIOSTYR®-Verfahren)
Art der Reinigung: biologisch
Das passiert hier: In dieser Phase übernehmen winzige Helfer die Hauptarbeit. Denn hier bauen Bakterien und andere Mikroorganismen organische Verunreinigungen ab. Dazu wird das vorgereinigte Abwasser von unten nach oben durch ein Becken gepumpt, das mit Milliarden kleiner Styroporkugeln gefüllt ist. Auf diesen Kügelchen befindet sich ein Biofilm, also Mikroorganismen, die organische Schmutzstoffe verwerten und Stickstoffverbindungen umwandeln.
Das Ergebnis
Der größte Teil der Verunreinigungen ist nun beseitigt.
Dritte Reinigungsstufe
Art der Reinigung: chemisch
Das passiert hier: Um auch Phosphate zu entfernen, geben wir in dieser Reinigungsphase bestimmte Chemikalien, wie beispielsweise Eisensalze, in das vorgereinigte Abwasser. Diese reagieren mit den Phosphaten und bilden feste Flocken, die im Reinigungsbecken zu Boden sinken und dort abgeschieden werden. Ohne diesen Schritt würden die Nährstoffe in die Werre gelangen und dort wie Dünger wirken, was zu übermäßigem Algenwachstum und Sauerstoffmangel führen würde.
Das Ergebnis
Das Wasser ist nun deutlich klarer und frei von überschüssigen Phosphaten.
Vierte Reinigungsstufe – Pulveraktivkohleverfahren
Art der Reinigung: physikalisch-chemisch
Das passiert hier: Viele winzige Stoffe werden in herkömmlichen Kläranlagen gar nicht entfernt – zum Beispiel Rückstände von Medikamenten, Kosmetika oder Pestiziden. Um das Wasser auch von diesen Mikroschadstoffen zu befreien, setzen wir ein Verfahren mit Pulveraktivkohle ein. Die feine Kohle hat eine besondere Eigenschaft: Ihre Oberfläche ist so beschaffen, dass sich selbst kleinste, im Wasser verbliebene Spurenstoffe an ihr anlagern können. Anschließend wird die „beladene“ Kohle zusammen mit dem bei der Reinigung entstehenden Klärschlamm entfernt.
Das Ergebnis
Auch schwer abbaubare Mikroschadstoffe sind nun aus dem Wasser entfernt.
So entsteht in nur vier Stunden Wasser, das wir guten Gewissens in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeben können.
Schlamm-
behandlung und Klärgasverwertung
Doch unsere Arbeit endet nicht mit der bloßen Abwasserreinigung. Denn aus dem dabei anfallenden Klärschlamm stellen wir Klärgas her, das wir wiederum zur eigenen Stromversorgung mittels Blockheizkraftwerken für den Betrieb unserer Kläranlage einsetzen. So reduzieren wir zusätzlich Treibhausgase und leisten einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.
Unsere Kläranlage ist damit viel mehr als nur ein „Filter“ für Abwasser: Sie sichert die kommunale Grundversorgung in Herford und schützt den Menschen sowie die Natur. Sie ist im Alltag unsichtbar, aber unverzichtbar für eine saubere und lebenswerte Umwelt.
Unser Kanalnetz
Damit Abwasser überhaupt gereinigt werden kann, braucht es ein funktionierendes Kanalnetz. In Herford betreiben wir rund 500 Kilometer Leitungen – eine Länge, die von hier bis an die Nordsee reicht. Dieses Netz ist die Lebensader der Abwasserentsorgung: Es sammelt Schmutz- und Regenwasser aus Haushalten, Betrieben, Straßen und leitet es zuverlässig zur Kläranlage.
Unser Netz ist vielfältig aufgebaut
– und das hat gute
Gründe:
Mischsystem
In diesem System fließen Regenwasser und Schmutzwasser gemeinsam in einem Rohr. Das ist platzsparend und typisch für ältere Stadtteile. Bei Starkregen stoßen diese Systeme jedoch an ihre Grenzen. Dann greifen sogenannte „Mischwasserüberläufe“. Das sind spezielle Bauwerke im Kanalnetz. Sie leiten überschüssiges, stark verdünntes Abwasser kontrolliert in die Werre ab, damit die Kanalisation nicht überlastet wird und es zu keinen Überschwemmungen in Kellern oder auf Straßen kommt. Um die Gewässer zu schützen, arbeiten wir mit Rückhaltebecken und technischen Maßnahmen daran, solche Überläufe so gering wie möglich zu halten.
Trennsystem
Hier gibt es getrennte Leitungen für Schmutzwasser und Regenwasser. So gelangt Schmutzwasser zuverlässig in die Kläranlage, während sauberes Regenwasser direkt in die Natur zurückgeführt oder versickert werden kann. Das entlastet die Anlage und schützt unsere Flüsse.
Druckrohrleitungen
Wasser fließt nicht immer bergab. In diesen Leitungen transportieren Pumpen das Abwasser über längere Strecken oder Höhenunterschiede hinweg, sodass es zuverlässig in der Kläranlage ankommt.
Zusätzlich betreuen wir rund zweihundert sogenannte „genehmigungspflichtige Einleitungsstellen“. Hierbei handelt es sich um Punkte, an denen verdünnte Abwässer bei Mischwasserabschlägen während Regenereignissen kontrolliert in das Gewässer geleitet werden dürfen. Mischwasserabschläge sind Abwässer verdünnt durch das Regenwasser und landen bei stärkeren Regenereignissen in der Regel vorbehandelt im Gewässer. Wir überwachen diese Stellen regelmäßig, um sicherzustellen, dass keine Stoffe in das Gewässer gelangen, die unsere Umwelt belasten könnten.
Unsere Arbeit geht hier jedoch über den reinen Transport von Abwasser hinaus. Wir kümmern uns auch um die Unterhaltung und Pflege des Kanalnetzes sowie der Sonderbauwerke. Dazu setzen wir eigene Spülfahrzeuge, Hochdruckreinigungen und Kameras ein, die bis in den kleinsten Kanal schauen können. Wo es nötig ist, sanieren und erneuern wir Leitungen und planen gemeinsam mit der Stadt auch Neubauten. Ein wichtiges Ziel dabei ist, möglichst wenig Mischwasser in die Werre zu leiten und diese Menge kontinuierlich zu reduzieren, um die Umwelt zusätzlich zu entlasten.
Mit all diesen Maßnahmen stellen wir sicher, dass das unser Kanalnetz wirkungsvoll arbeitet. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: saubere Gewässer und eine Infrastruktur, die auch für kommende Generationen zuverlässig funktioniert.
Wasser im Keller
Starkregen und Rückstau
Bei Starkregen füllen sich unsere Kanäle so schnell, dass Abwasser über sogenannte Regenüberläufe in die Werre geleitet werden muss. Denn die unterirdische Kanalinfrastruktur ist nur für eine normale Regenintensität ausgelegt und stößt bei Starkregenereignissen, die sich durch eine hohe Niederschlagsmenge in kürzester Zeit auszeichnen, an ihre hydraulischen Grenzen. Der Hintergrund: Ein Kanalnetz kann nicht so dimensioniert werden, dass es diese extremen Wetterereignisse bewältigen kann. Bei derartigen Unwettern kann es außerdem passieren, dass Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz in tiefer gelegene Räume wie Keller zurückgedrückt wird – man spricht dann von Rückstau.
Damit das möglichst selten passiert, bauen und betreiben wir Rückhaltebecken, drosseln Abflüsse technisch und erweitern das Netz nach Bedarf. Auch Grundstückseigentümer können sich schützen: Durch den Einbau von Rückstauklappen oder Hebeanlagen wird verhindert, dass Abwasser aus dem Kanal ins Haus zurückdrückt.
Wir beraten dazu, prüfen Entwässerungsanlagen und helfen dabei, Schwachstellen zu erkennen.
05221 1891411
Keine Essensreste
ins Abwasser!
Ratten im Kanalnetz
Wo Abwasser fließt, können auch Ratten vorkommen. Im Kanalnetz finden sie Schutz und ideale Bedingungen. Ganz vermeiden lassen sie sich dort nicht. Deshalb kontrollieren wir den Bestand regelmäßig mithilfe von Köderstationen.
Ebenso wichtig ist die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger. Ratten vermehren sich besonders schnell, wenn sie durch Essensreste zusätzlich gefüttert werden. Deshalb unser Appell: Speisereste gehören in die Biotonne und nicht in die Toilette oder Spüle. Denn alles, was im Abfluss verschwindet, landet direkt im Kanal und macht den Tieren das Leben leicht. Gemeinsam können wir verhindern, dass sich die Population nicht vergrößert.